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Ehrenamt

Ehrenamt entsteht dort, wo Menschen mehr tun als sie müssen, wo Zeit, Ideen und Einsatz zusammenkommen und Alltag verändern.
Engagement verbindet, schafft Vielfalt und öffnet Räume. 

Aus den Orts- und Kreisverbänden

Gutes tun – in der neuen und der alten Heimat

Schweinfurt, 05.03.2026. Ein Ehrenamtlicher, der vor vier Jahren aus Afrika kam, engagiert sich in Schweinfurt für Caritas-Projekte am casa Vielfalt. Er will damit auch andere inspirieren, sich einzubringen.

19 Jahre lang hat Augustine Kusi Agyemang in seinem Heimatland Ghana als Polizist gearbeitet. Dann machte ein Unfall alle Hoffnungen zunichte, weiterarbeiten zu können. Mit einem Studentenvisum kam der heute 40-Jährige im Jahr 2022 nach Deutschland. Sein Diplom als Elektroingenieur kam ihm bei der Bewerbung für eine weitere Ausbildung zugute. Eine große Medizintechnik-Firma in seiner neuen Heimat Schweinfurt wurde auf ihn aufmerksam. Im Bereich Dialysemaschinen bekam er eine Arbeit als Monteur. „Der Job gefällt mir sehr“, sagt er heute.

Um ein paar Leute kennenzulernen und um nicht immer allein zu sein war Agyemang der passende Kandidat für ein Ehrenamt. „Ich mag Menschen und möchte Gutes tun. Ich suchte gezielt nach einer Tätigkeit bei verschiedenen Institutionen in Schweinfurt.“ Vor zwei Jahren wurde er schließlich bei der Caritas vor Ort fündig. „Was ich jetzt mache, ist ein ganz besonderes Projekt“, betont der vierfache Familienvater. Auf die Eröffnung Anfang März hatte er sich schon lange gefreut.

Engagement beim Friedhofscafé

Und hier kommt die casa Vielfalt ins Spiel, wo die Kirchenstiftung Sankt Anton und der Caritasverband für die Stadt und den Landkreis Schweinfurt (O/KCV Schweinfurt) kooperieren. Marion Hammer vom O/KCV Schweinfurt koordiniert die einrichtungsübergreifende Zusammenarbeit und organisiert Projekte und Veranstaltungen zur Begegnung.

Hammer schlug Agyemang das Projekt Friedhofscafé von März bis November im Hauptfriedhof Schweinfurt vor. Und Agyemang war gleich Feuer und Flamme. Denn mit seinem Engagement würde er einsamen und trauernden Friedhofsbesucherinnen und -besuchern ein Ausdruck der Hoffnung ins Gesicht zaubern können.

Jeden ersten Sonntag im Monat verteilt er auf dem Hauptfriedhof von einem umgebauten Lastenfahrrad aus Kaffee und Kuchen an die Menschen, die am Sonntagnachmittag auf dem Friedhof unterwegs sind und Anschluss suchen. Es gibt einige Personen, die regelrecht darauf warten, dass das Open Air-Café der Caritas von 14 bis 16 Uhr seine imaginäre Pforte öffnet. Und dann kommen sie, zum Reden, zum gemeinsamen Schweigen und Trauern. Und Agyemang öffnet sein Herz, schenkt Kaffee aus, nimmt Anteil und trägt als Teil des ehrenamtlichen Teams des Friedhofscafés zum Erfolg des Projektes bei.

Ein Lächeln im Gesicht

Er denkt an die ältere Witwe, die zum Grab ihres Mannes und ihrer zwei Kinder eilt, Zwiesprache hält und weint. „Danach kommt sie regelmäßig in unser Café. Manchmal reichen auch nur ein paar Worte aus, die ihre Tränen versiegen lassen und ihr ein Lächeln ins Gesicht zaubern. Wenn das gelingt, bin auch ich sehr glücklich.“ Und wenn es mal regnet, geht die neu gefundene Gemeinschaft einfach in die überdachte Galerie auf dem Vorplatz des Friedhofs.

Doch auch die Menschen in seiner Heimat hat Agyemang nicht vergessen. Er denkt an die sozial benachteiligten Familien und die, die außer ihren Kleidern am Körper nichts besitzen. Er überlegt sich nun, eine eigene kleine Hilfsorganisation zu gründen. Bekannt ist Agyemang in der Gemeinde schon, denn er gestaltet Gottesdienste mit, singt in der Kirche St. Anton Gospels oder organisiert mit Marion Hammer Infoabende über sein Heimatland. Hier werden auch Spenden für Ghana gesammelt. So wurde beim letzten Mal die Behandlung einer kranken Jugendlichen in seiner Heimatregion unterstützt.

Füreinander da sein und Gutes tun, sowohl in der neuen wie auch in der alten Heimat, bleibt der Wunsch von Augustine Kusi Agyemang. Und er freut sich über Menschen, die sein Engagement nicht nur anerkennen, sondern es auch nachahmen.

Sabine Ludwig

Veranstaltungshinweis:

20. März 2026, 18 bis 20 Uhr: Ghana genießen mit gutem Gewissen: Kakao und Kokosnuss, Eintritt frei – Spenden erwünscht

Wo? Zentrum casa Vielfalt, St.-Anton-Straße 8 in Schweinfurt

Was? Ghana ist eines der wichtigsten Anbauländer für Kakao und Kokosnüsse weltweit. Die Veranstaltung des O/KCV Schweinfurt mit Musik und Bildern bietet Schokolade aus Ghana und Spezialitäten aus Kokosnuss zum Verkosten. Augustine Kusi Agyemang, dessen Familie eine Kokosnussplantage bewirtschaftet, berichtet vom Anbau und der Situation im Land. Mehr Infos hier!