Wenn wir beten, wenden wir uns mit unseren Anliegen an Gott. Wir können mit ihm reden, wie mit einem Freund. Und wir können jederzeit damit anfangen. Beten ordnet Gedanken, beruhigt und öffnet für neue Perspektiven. Wer religiös sozialisiert ist, lernt schon zuhause, im Kindergarten und im Religionsunterricht, wie Gebete formuliert und in Ritualen ganz selbstverständlich in den Tagesablauf eingebaut werden. Mit einer solchen Gebetspraxis erhöhen sich die Chancen, dass wir auch als Erwachsene beten und daraus Zuversicht schöpfen können. Fürs Beten müssen wir aber kein besonderes Vorwissen haben, oder bestimmte Regeln befolgen. Es genügt die innere Haltung und die Bereitschaft, sich Gott zu öffnen. Beten ist ein Weg der Zuversicht: Wir legen unsere Bitten vor Gott, lassen los, was wir nicht kontrollieren können, und gehen weiter im Vertrauen darauf, dass Gott sich kümmert und uns leitet.
Besonders das füreinander Beten verbindet und stärkt Menschen. Es schenkt Mut und neue Hoffnung – über Grenzen hinweg. Wir beten für Frieden und für Heilung. Wir danken Gott für das Wunder des Lebens und der Vergebung. Die Kraft des Gebets liegt oft darin, dass es uns erinnert, dass wir nicht allein gehen, sondern getragen sind – von Gott und von der Gemeinschaft, die füreinander betet.
Beten ist mehr als ein Warten auf Lösungen. Beten ist eine Praxis der Gegenwart Gottes im Alltag. Und so beten wir zum Beispiel auch für einen sicheren Schulweg, für unsere Kinder, vor wichtigen Entscheidungen, um Geduld beim Aufräumen oder als Dank dafür, dass die Ampel schnell wieder auf grün umschaltet. Ein Gebet kann ein Lied sein, ein kurzer Moment der Stille, ein Seufzer oder ein kurzes Gespräch mit Gott.
Meinen Ring habe ich übrigens am nächsten Morgen wieder gefunden. Gott sei Dank!
Sabine Bullemer-George, Religionspädagogin, Leiterin des evangelischen Schulreferats in den Dekanatsbezirken Lohr und Aschaffenburg
