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Impulse

Unterschiedlichste Autoren im Bistum Würzburg veröffentlichen regelmäßig spirituelle Texte in Tageszeitungen, im Internet oder in Druckwerken. Die Interpretationen der christlichen Botschaft bestärken im Glauben, im alltäglichen Leben und regen zum Nachdenken an. Einige dieser Texte stellen wir hier für Sie zusammen.

Gedanken zum Evangelium – 21. Sonntag im Jahreskreis

Viele richtige Antworten

Jeder und jede von uns hat eine eigene persönliche Beziehung zu Jesus und Erfahrungen mit ihm. Es gibt keine Musterlösung für die Frage: Wer ist dieser Jesus?

Evangelium

In jener Zeit, als Jesus in das Gebiet von Cäsarea Philippi kam, fragte er seine Jünger und sprach: Für wen halten die Menschen den Menschensohn? Sie sagten: Die einen für Johannes den Täufer, andere für Elija, wieder andere für Jeremia oder sonst einen Propheten. Da sagte er zu ihnen: Ihr aber, für wen haltet ihr mich? Simon Petrus antwortete und sprach: Du bist der Christus, der Sohn des lebendigen Gottes! Jesus antwortete und sagte zu ihm: Selig bist du, Simon Barjona; denn nicht Fleisch und Blut haben dir das offenbart, sondern mein Vater im Himmel. Ich aber sage dir: Du bist Petrus – der Fels – und auf diesen Felsen werde ich meine Kirche bauen und die Pforten der Unterwelt werden sie nicht überwältigen. Ich werde dir die Schlüssel des Himmelreichs geben; was du auf Erden binden wirst, das wird im Himmel gebunden sein, und was du auf Erden lösen wirst, das wird im Himmel gelöst sein. Dann befahl er den Jüngern, niemandem zu sagen, dass er der Christus sei.

Matthäus 16,13–20

Wer ist dieser Jesus?“ Diese Frage stellte ich meinen Schüler:innen der dritten Klasse, als wir mit dem Thema „Jesus, der Christus – Leben, Leiden, Tod und Auf­erstehung“ starteten. Jedes der Kinder hatte eine andere Antwort. Von „Er war ein Mensch“, „Maria ist seine Mama“, „Er hat an Weihnachten Geburtstag“, „Er ist nicht im Krankenhaus geboren wie meine Schwester, sondern in einem Stall“ bis zu „Er war wie ein Arzt für die Menschen, weil er sie gesund gemacht hat“ oder „Er ist der Sohn Gottes“ war alles dabei. Da mel- dete sich eine Schülerin und fragte ganz aufgeregt: „Aber Frau Böhnel, was ist denn nun die richtige Antwort?“

Kann man auf die Frage „Wer ist Jesus?“ nur eine richtige Antwort geben?

Als Jesus im Matthäus-Evangelium seine Jünger fragt, für wen die Menschen ihn halten, sind die Antworten ähnlich vielfältig und interessant wie in meiner dritten Klasse. Johannes der Täufer, Elija oder Jeremia. Die meisten Menschen vermuten also, er sei einer der Propheten, die dem Volk Israel große Verheißungen in Aussicht gestellt hatten, eine Art Hoffnungsträger.

Jesus möchte mit seiner zweiten Frage noch einen Schritt weiter gehen. „Für wen haltet ihr mich?“ Nun geht es darum, was die Jünger selbst denken, was sie selbst durch ihre Gespräche, Erfahrungen und Begegnungen, den gemeinsamen Weg über Jesus erfahren haben. Die Antwort von Simon Petrus kommt aus den Tiefen seines Herzens und bündelt alles Erlebte in einem Satz: Du bist Christus, der Sohn des lebendigen Gottes!

Interessant wäre zu wissen, was die anderen Jünger auf die Frage geantwortet hätten, oder ob sie von der schnellen und bekennenden Antwort von Petrus so überrumpelt waren, dass ihnen selbst nichts mehr eingefallen ist.

Gibt es also nur die eine richtige Antwort von Petrus? Ich glaube, das Bekenntnis von Petrus bringt in einem Satz direkt auf den Punkt, wer Jesus ist, allerdings wird auch deutlich, dass dieser Satz nur ein Teil des Glaubensbekenntnisses ist, das wir beten. Er ist nämlich auch noch durch den Heiligen Geist empfangen, von Maria geboren et cetera.

Und so habe ich meiner Schülerin geantwortet, dass jede der oben genannten Antworten richtig ist, denn jeder und jede von uns hat eine eigene persönliche Beziehung zu Jesus und Erfahrungen mit ihm. Es gibt nun mal keine Musterlösung für diese Frage.

Und das nimmt einem doch ganz viel Druck. Denn es kann sein, dass man in einem Moment in seinem Leben denkt: Ja, Petrus hat recht, so sehe ich das auch. Und in einem anderen Moment bin ich vielleicht so mit Zweifel übersät, dass gar keine Antwort möglich ist. Meine Beziehung zu Jesus wächst und verändert sich durch meinen Glauben und meine Erfahrungen, die ich mit ihm mache, und so kann sich auch meine Antwort verändern.

Wenn ich nun gefragt werde: Wer ist Jesus für mich?, was wäre meine Antwort?

Lucia Böhnel (lucia.boehnel@bistum-wuerzburg.de) ist Jugendseelsorgerin und Diözesankuratin der Pfadfinderinnenschaft St. Georg (PSG).