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Dokumentation

„Das dreifache Öl der Freude“

Predigt Bischof Dr. Franz Jung bei der Chrisammesse am Dienstag, 8. September 2020 im Würzburger Kiliansdom

Liebe Mitbrüder im geistlichen Amt,

liebe Schwestern und Brüder im Herrn,

in der zweiten Lebensbeschreibung des heiligen Franziskus aus der Feder des Thomas von Celano liest man unter der Überschrift „Die geistliche Freude und ihr Lob“ folgenden Abschnitt:

Das sicherste Mittel gegen tausenderlei Nachstellungen und Listen des bösen Feindes ist, wie Franziskus zu versichern pflegte, die geistliche Freude. Er sagte nämlich: „Dann hüpft der Teufel am meisten vor Freude, wenn er einem Knecht Gottes die Freude des Geistes entreißen kann. Er trägt Staub bei sich, den er nach Belieben in die kleinen Falten des Gewissens hineinwirft, um die Sauberkeit des Gewissens und die Lauterkeit des Lebens zu beschmutzen.

Heute, am Tag der Erneuerung unseres Weiheversprechens, weist uns der heilige Franziskus hin auf die eigentliche Kraftquelle unseres Dienstes, die geistliche Freude. Geistlich ist die Freude, weil sie eine Gabe und ein Geschenk des Heiligen Geistes ist, wie uns der Apostel Paulus lehrt, der die Freude unter die Geistesgaben zählt (Gal 5,22). Da die wahre Freude vom Geist stammt, bezieht sie sich auch nicht auf Irdisches, sondern auf Gott selbst. Es ist die Freude darüber, vom Herrn berufen und erwählt zu sein und die Freude, seinen Ruf im Leben vernommen zu haben. „Freut euch darüber, dass eure Namen im Himmel verzeichnet sind“, sagt Jesus im Lukasevangelium (Lk 10,20).

Die Freude über die Erwählung in Jesus Christus findet ihre Vollendung darin, dem Herrn nachzufolgen und ihm gleich zu werden. Deshalb trägt diese Freude auch durch in Zeiten der Anfechtung und der Belastung. So hat es zumindest der Apostel Paulus erfahren. Er bezeugt seiner Gemeinde, dass ihn die innere Zuversicht und die geistliche Freude nie verlassen haben, trotz Anfechtung und Verfolgung, trotz Verleumdung und Ausweglosigkeit, trotz Niederlage und Misshandlung. „Uns wird Leid zugefügt und doch sind wir jederzeit fröhlich“ (vgl. 2Kor 6,4-10). Denn in allem wusste er sich dem gekreuzigten und auferstandenen Herrn zutiefst verbunden, von ihm getragen und gestärkt.

Dennoch, die geistliche Freude bleibt bedroht. Das weiß auch Franziskus. Der Teufel, so heißt es, habe eine diabolische Freude daran, dem Jünger Christi die Freude zu verderben. Dazu bedient er sich ganz einfacher Mittel. Er setzt auf Nachlässigkeit, oder wie Franziskus sagt: er wirft Staub in die Falten des Gewissens.

Was verstaubt, wird nicht mehr gepflegt, findet keine Beachtung mehr. Wie ein Film legt sich der Staub über alles. Die Dinge verlieren ihren früheren Glanz und ihre Frische. Sie wirken unansehnlich und schäbig.

Franziskus spricht aber nicht von irgendwelchen Staubfängern, die nur noch herumstehen und die keiner mehr braucht. Er spricht von den Falten des Gewissens, also von dem, was sorgsam der täglichen Pflege bedürfte. Das heißt:

  • Bewusst den Tageslauf zu unterbrechen, um sich neu am Herrn auszurichten und voller Dankbarkeit all dessen inne zu werden, was einem geschenkt wurde und was einem gelungen ist
  • Sich selbst aber auch täglich zu prüfen, um im Examen des Gewissens seinen inneren Strebungen nachzugehen und sich über seine Bedürfnisse klar zu werden.
  • Sauber zu sein in seinen Anschauungen, ohne falschen Vorurteilen anzuhängen oder der eigenen Bequemlichkeit nachzugeben.
  • Lauter zu sein in der Keuschheit, die die anderen in ihrer Würde achtet, die niemanden gebraucht oder missbraucht für die eigenen Zwecke und die unverbrüchlich an den Sieg des Guten glaubt, ohne selbst sich vom Bösen anstecken zu lassen.

Die Pflege der Sauberkeit und der Lauterkeit haben zur Voraussetzung das Festhalten an der inneren Wahrhaftigkeit und Ehrlichkeit. Die Wahrheit macht uns frei.

Und sie führt uns immer wieder zu Christus, der von sich sagt, „Ich bin die Wahrheit“ (Joh 14,6). Ihn anzuschauen und uns immer neu zu ihm hinzukehren wird zur Quelle geistlicher Freude.

Geht Christus als geistliche Mitte verloren, treten die „eitlen Freuden“ an seine Stelle. Man schlägt die Zeit tot, vergisst seine Berufung, vernachlässigt seine Pflichten und gibt sich mit nichtigen Dingen ab. Der Verlust der Mitte wird zum Einfallstor der Traurigkeit. Aus der Traurigkeit entwickelt sich der Überdruss. Ihn fürchtete der heilige Franziskus besonders, wenn man Thomas von Celano glauben darf:

„Die Krankheit des Überdrusses suchte er als die schlimmste mit der größten Sorgfalt zu vermeiden. Sobald er merkte, dass sie auch nur ein wenig in seinem Geist Eingang gefunden hat, eilte er schnell zum Gebet. Er pflegte nämlich zu sagen: „Der Knecht Gottes, der, wie es vorkommen kann, aus irgendeinem Grund verwirrt ist, muss sich sofort zum Gebet erheben und so lange vor dem höchsten Vater verharren, bis er ihm die Freude seines Heiles wiedergibt. Wenn er nämlich länger in der Niedergeschlagenheit verharrt, dann nimmt jenes babylonische Übel zu, das schließlich, wenn es nicht durch Tränen ausgetilgt wird, im Herzen bleibenden Rost erzeugt.“

Überdruss oder Acedia bezeichnet die Haltung einer Seele, die ihre innere Spannkraft verloren hat. Alles wird beschwerlich. Alles wird zu viel. Alles verursacht nur noch Stöhnen und wird nur noch lustlos hinter sich gebracht, weil die innere, weil die geistliche Freude abhandengekommen ist. Am Ende macht der Diener des Herrn nur noch Dienst nach Vorschrift.

Wie die Väter weiß Franziskus nur ein probates Mittel, um dem Überdruss wirksam zu begegnen. Er nimmt seine Zuflucht beim Gebet. Er hält aus vor dem Herrn, ohne wegzulaufen. Er besinnt sich auf seine innere Mitte. Aus der Sammlung im Gebet macht er kleine Schritte, um langsam wieder Tritt zu fassen und seinen Weg in Freude vor dem Herrn zu gehen.

Die Corona-Wochen waren und sind für uns alle eine äußerst herausfordernde Zeit. Ihre Wahrnehmung war höchst ambivalent. Zunächst kam Corona wie ein Schock über uns. Dann spürten nicht wenige eine unverhoffte und unerwartete Entschleunigung. Zugleich aber fehlten uns die Gemeinden und die Mitfeiernden. Schlimmer noch, diejenigen, die unserer Zuwendung am meisten bedurften, waren in der Hochphase auf sich allein gestellt, weil ein Kontakt nicht möglich war.

Je länger diese Phase anhält, umso mehr könnte sich Resignation und Müdigkeit breit machen, aber auch eine gewisse Lustlosigkeit Einzug halten.

Deswegen möchte ich Ihnen heute von ganzem Herzen danken für ihren treuen Einsatz in diesen so fordernden Tagen. Ich bin überrascht und froh für so viele innovative Aktionen und Initiativen, um den Kontakt zu den Gläubigen nicht abreißen zu lassen und unkonventionell Hilfe zu leisten. Ich bin dankbar für die zahllosen Hilfsangebote. Dankbar auch für die neuen Formate in Streaming-Gottesdiensten, Video-Clips, Impulsen und Hausgottesdiensten. Und ich bitte Sie alle:

Achten wir aufeinander, wenn die innere Spannkraft erlahmt. Ermutigen wir uns gegenseitig zum Dienst, so dass wir mit dem Psalmisten einander zurufen können: „Dient dem Herrn mit Freude, kommt vor sein Antlitz mit Jubel!“ (Ps 100,2)

Thomas von Celano resümiert:

Daher trachtete der Heilige danach, stets im Jubel des Herzens zu verharren, die Salbung des Geistes und das Öl der Freude zu bewahren.

Was für ein wunderbarer Satz: den Jubel im Herzen immer erneuern, sich auf die Salbung des Geistes besinnen und das Öl der Freude bewahren.

Genau darum geht es heute in der Chrisammesse. Wenn wir die heiligen Öle jetzt weihen, dann besinnen wir uns auf Christus, „den schönsten aller Menschen“ (Ps 45,3), der mit dem Öl der Freude geweiht ist (Ps 45,9).

Wir erneuern unsere Salbung, die wir am Tag unserer Weihe empfangen haben.

Und wir tragen hoffentlich den Jubel im Herzen wieder mit hinaus in unsere Pfarreien und an die Orte und zu den Menschen, zu denen wir uns gesandt wissen.

Dabei erinnert uns das Katechumenenöl daran, dass wir nie fertig sind auf unserem Berufungsweg, sondern eingeladen werden vom Herrn, freudig im Glauben zu wachsen.

Das Chrisamöl erinnert uns an unsere Würde und an die Freude, in der Nachfolge Christi, des Gesalbten, dem Gottesvolk dienen zu dürfen.

Das Krankenöl erinnert uns an unsere Bedürftigkeit und Armut. Es lehrt uns die Demut und zugleich die Freude, weil der Herr in unserer menschlichen Schwachheit seine göttliche Kraft zur Vollendung bringt.

Danken wir dem Herrn für dieses dreifache Öl der Freude. Bitten wir ihn, dass unsere Freude in seinem Dienst nicht erlahmt, sondern vollkommen wird (Joh 15,11). In dieser Zuversicht wollen wir nun das dreifache Öl der Freude weihen. Amen.

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