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Impulse

Unterschiedlichste Autoren im Bistum Würzburg veröffentlichen regelmäßig spirituelle Texte in Tageszeitungen, im Internet oder in Druckwerken. Die Interpretationen der christlichen Botschaft bestärken im Glauben, im alltäglichen Leben und regen zum Nachdenken an. Einige dieser Texte stellen wir hier für Sie zusammen.

Tempo rausnehmen

Ein wenig mehr Langsamkeit würde uns gut tun, meint Pastoralreferent Felix Lamprecht.

Neulich habe ich mich wieder ertappt bei der Klage, dass die Zeit doch viel zu schnell verläuft: Schon wieder sind die Ferien und der Urlaub vorbei. Zugegeben, wenn ich jede Nachricht auf dem Smartphone gleich beantwortet, trage ich selber dazu bei, dass die Zeit gefühlt schnell verläuft.

Ein wenig mehr Langsamkeit würde doch gut tun. Aber die Langsamkeit gibt es durchaus, auch wenn es oft übersehen wird, nämlich in unserem demokratischen System. Gesetzesvorhaben werden in mehreren Schleifen diskutiert und in verschiedenen Anhörungen beraten, bevor sie beschlossen werden. Gegen Entscheidungen von Behörden kann Einspruch eingelegt oder geklagt werden. Im Gegensatz zu einer Diktatur, in der jemand kurzerhand entscheidet und jeder dieser Entscheidung ausgeliefert ist, ist die Demokratie ein langsames System. Das ist ein riesiger Gewinn! Das müssen wir schätzen und hüten, gerade nach den Diktaturen, die Deutschland in der Vergangenheit erlebt hat. Die Demokratie tut gut – auch wenn leider oft beklagt wird, dass sie sie viel zu träge sei, wenig durchgesetzt werden könne und daher zum Beispiel das Klagerecht eingeschränkt werden müsse.

Ich muss an Jesus denken. Er schaffte es immer wieder, Tempo auf verschiedene Art und Weise herauszunehmen. Anstatt kurz und bündig zu sagen, was nun richtig oder falsch ist, erzählte er lieber Geschichten. Oder schweigend schrieb er erstmal in den Sand, als die Schriftgelehrten eine Frau zu ihm brachten, die beim Ehebruch ertappt worden war und sie eine Entscheidung von Jesus provozieren wollten. Selbst mit der Auferstehung ließ er sich drei Tage lang Zeit. Aber nach der Verzögerung gab es den Einschnitt: Die Geschichten und Gleichnisse von Jesus brachten neue Einsicht, die Situation der Frau ist von den Schriftgelehrten neu bewertet worden, mit der Auferstehung brach eine neue Zeit an. Das Wichtigste dabei ist: Das alles löste jeweils neues Handeln aus.

Tempo rausnehmen, inne halten, ist heute in vielen Bereichen sicher gut. Nicht, um etwas ins Unendliche hinauszuzögern, sondern um nach guten Überlegungen die richtigen Entscheidungen zu treffen und zum Handeln zu kommen. Die Klage über die Schnelllebigkeit und Hektik unserer Zeit ist sehr verbreitet. Das bedeutet umgedreht nicht, dass wir uns über Langsamkeit freuen. Die müssen wir auch erst wieder schätzen lernen.

Felix Lamprecht, Pastoralreferent

Der Impuls "Sinn & Religion" erscheint wöchentlich auf der Internetseite der Kirche in der Region Würzburg.

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